Glücksorte Lübeck

Aus der Sicht einer Perle

Das Muschel- und Schneckenmuseum Cismar

Vier Riesenmuscheln, groß wie Kinderwagen, verlocken im Haus der Natur zum Einsteigen. „Na, wer traut sich?“, fragt Museumsleiter Vollrath Wiese in die Runde. Im 60-Kilogramm-Exemplar hat selbst ein Erwachsener Platz. – Einmal wie eine schaumgeborene Perle über den gewellten Rand einer Muschel schauen können, ist ein seltenes Glück. Gegenüber liegt als Gegenteil der Riesen ein winziges Schneckenhaus unterm Mikroskop: Um das perfekt ausgeformte Schneckenhaus einer Omalogyra atomus zu erkennen, braucht es die zehnfache Vergrößerung. Fein wie eine Nadelspitze sieht das „Atömchen“ auf dem Glasträger aus. Zehn Millionen Exponate hat Wiese in seinem Fundus, 500 Quadratmeter Schaufläche im ersten Stock. Forscher bringen dem 1993 gegründeten Museum von Expeditionen Stücke mit, geschenkte Sammlungen ergänzen den Bestand. Schnecken, Muscheln, Tintenfische, Weichtiere aus aller Welt sind in Wandvitrinen und Schaukästen verwahrt. Strategie-Brettspiele mit Muscheln und Computerprogramme stehen zum Ausprobieren parat. In Aquarien schwimmen exotische Fische, kleine Flundern und Muscheln aus der Ostsee.

Wiese schließt die Türen der Sammlung gern auf: Er gibt eine Venuskammschnecke herum. Pieksig sind die Ausläufer, die die Schnecke vor Fressfeinden bewahren. Muscheln und Schnecken sind wohl die ältesten Musikinstrumente, erzählt der Wissenschaftler und bläst in eine Tritonschnecke, bis die Hülle des Meeresbewohners wie ein Waldhorn klingt. Herzmuscheln vom Ostseestrand haben schrillere Frequenzen. „Bitte nur draußen nachmachen“, sagt Wiese und zeigt, wie man die Kalkschalen zwischen den Daumen einklemmt. Doch die Schnecken sind nicht nur schön. Die Kauris schrieben Kulturgeschichte. Porzellan verdankt seinen Namen der Oberfläche der Kauris. Die Gehäuse waren in einigen Kulturen wertvolle Tauschwährung und ein Symbol für Macht. Häuptlinge trugen große Exemplare an einer Halskette. Und beim entspannten Suchspiel „Zwei sind anders“ gleiten die wie lackiert glänzenden Gehäuse glatt und kühl durch die Finger.


  • Muschel- und Schneckenmuseum, Haus der Natur, Bäderstraße 26, 23743 Cismar,
    Tel. (0 43 66) 12 88
  • www.hausdernatur.de
  • ÖPNV: Bus 5600, 5623, 5800, Haltestelle Klosterkrug Cismar


Fahr hin und werd glücklich!

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Beitragsbild © Beate König